Gastbeitrag: Winter-Camping in Norwegen

Gastbeitrag: Winter-Camping in Norwegen

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Mit dem Bulli in den Schnee nach Norwegen. Wir testen das einfach – und zwar auf den Lofoten. Der sagenumwobenen Inselgruppe vor der Norwegischen Küste. Unser Test-Auto: Der aktuelle T6 California.

AB IN DIE KÄLTE

Es ist März. Wir überqueren den Polarkreis. Die Grenze zum Land der Mitternachtssonne, die man allerdings nur im Juni erleben kann. Im Dezember bleibt es den ganzen Tag dunkel. Hört sich nicht nur kalt an, ist es auch. Jetzt im März zeigt das Thermometer bis -10 Grad in der Nacht und um Null Grad am Tag. Kaum sind wir am Polarkreis angekommen, sind die Wolken, der Dauerregen und der Schnee der letzten Wochen verschwunden. Uns empfängt schönstes Winterwetter mit wolkenlosem blauen Himmel und Sonne den ganzen Tag.

Das macht Lust auf das Land und die Inseln der Lofoten. Los geht’s in Stamsund. Eine 1000-Einwohner-Fischersiedlung, die fast trotzig in die Felswände gebaut ist. Wir nutzen das traumhafte Wetter um von Insel zu Insel zu fahren, die über die E10 mit vielen Brücken verbunden sind.

DER TESTWAGEN

Unterwegs sind wir mit dem T6 California in der Variante OCEANred 4motion. Zweifarbig lackiert mit 150 kW (204 PS), BlueMotion Technologie, Doppelkupplungs-Getriebe (DSG), Allrad mit mechanischer Differentialsperre und Spikes. Was auf den zum Teil vereisten Straßen und Steigungen nicht nur hilft, sondern auch ein beruhigendes Gefühl gibt. Wir fahren den TSI, der mit 12.000 Euro Ausstattung unseres Testfahrzeuges für rund 85.905 Euro zu haben ist.

ERSTE NACHT MIT POLARLICHTERN

Unser erster Spot auf den Lofoten ist das Arctic Surf Center in Unstad, an dem wir direkt am Wasser am Abend im Schnee grillen. Dank des wolkenlosen Himmels sehen wir den ganzen Abend und die Nacht die schönsten Polarlichter in grün und sogar pink. Wir stehen, sitzen und liegen unter diesem atemberaubenden Himmel am Strand und können nur noch staunend und sprachlos diesem Naturschauspiel zuschauen.

Wir machen uns und den Bulli für die Nacht fertig. Das Dach ist hochgefahren, dadurch kann man ohne Probleme im California stehen. Rein in den Schlafsack, gute Nacht. Wir sind zu zweit im Bulli unterwegs, also Platz genug zum Schlafen unten und oben. Die Standheizung läuft nur auf Stufe 2 von 10, was völlig ausreicht um nicht zu frieren. Oben im Dach ist es bei dem Wind schon ein bisschen lauter.

SURFEN IM EISWASSER

Am nächsten Morgen sind die ersten Surfer unterwegs, um die Wellen im eisigen Wasser zu reiten. Die Surfelite aus der ganzen Welt genießt hier die unglaubliche Natur. Wir machen uns im warmen Bulli auf, die Inseln zu erkunden, an den Fjorden entlang zu fahren und die schneebedeckten Berge zu bestaunen. Unterwegs machen wir Halt für einen Imbiss. Currywurst aus dem Topf gibt es. Und das mit Weitblick über Wasser und die Schneelandschaft, um anschließend wieder satt und glücklich zurück auf der Straße zu sein, um noch viele Ecken der Lofoten zu erkunden.

FAZIT

Der T6 California ist bestens und ohne Probleme für Wintercamping geeignet und ausgestattet. Es ist Platz genug zu zweit, auch mit ‘ner Menge Winterklamotten. Mit mehreren Personen wird es allerdings etwas eng. Im Bulli war es durch die ständig laufende Standheizung nie kalt und eingefroren ist auch nichts. Der T6 macht richtig Laune beim Campen und auch beim Fahren.

DIE SPOTS DER TOUR

Vom Hafen Stamsund zum Arctic Surf Center. Campingplatz Unstad. (Unstadsøveien 60, 8360 Bøstad).

Das Abendessen selber fischen geht mit Lofotfishing. (Misværveien 18, 8312 Henningsvær).

Genug Spots zum Kaffee trinken unterwegs gibt’s überall. Wir haben mittendrin, zwischen Bergen, Wasser und Brücken Halt gemacht und die Töpfe rausgeholt. (Gimsøystraumen Rasteplass, E10, 8313 Kleppstad).

Dann ging’s wieder Richtung Süden. Stockfische angucken und direkt im Hafen in einem schnuckeligen Café süße, norwegische Spezialitäten genießen. Café Himmel og Havn. (Moloveien 45, 8373 Vestvågøy).

Am Abend sind wir noch weiter südlich in einem tollen Restaurant, das auch den am Tag gefangen Fisch super köstlich zubereitet. Restaurant Underhuset. (Sakrisoy, 8390 Reine).

Die letzte Nacht haben wir auf einem Campingplatz mit Strom, Dusche und gastlicher Stätte verbracht. Vom Campingplatz geht’s nur etwa 500 Meter bergab zur Fähre, zurück nach Bodø. Also, 10 Minuten vor dem Fährentermin aufstehen und nach unten losrollen. Moskenes Campingplatz. (Riksveg 80, 8392 Sörvager).

ÜBER DEN AUTOR

Noch ein Radiomann. Jens Schulenburg, Moderator bei NDR1 Welle Nord und Nutzfahrzeug- und Reisemobiltester. Gemeinsam mit seinem HR-Kollegen Volker Hirth betreibt er die Seite DerAutotest.de.

Fotos: Achim Hartmann, Jens Schulenburg, Lukas Pagel

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3 Antworten

  1. Jens

    Moin Mario,
    seit das Dach, bwz. der Faltenbalk nicht mehr aus Baumwolle, sondern aus Kunstfaser besteht, saugt sich das Teil bei Regen nicht mehr voll und lässt auch nicht ganz so viel Wind durch. Bis auf die Zwangsbelüftung natürlich. Das war tatsächlich ohne Probleme aushaltbar. Der Bulli war auch durchgehend beheizt und mit dem (relativ dicken) Schlafsack war das ganz mucklig. Nur der heftige Wind hat die „Zeltwände“ immer wieder ganz schön gegen das Gestänge der Dachmechanik geschlagen.

    Das mit der Campingkarte ist für alle, die nicht Auslandsversichert sind eine ganz gute Sache. Als Mitglied im Autoclub kostet die Karte 12 Euro und Versicherung ist mit drin. In manchen Orten gibt’s obendrauf auch noch Vergünstigungen. Wir waren im Arctic Surf Center (da brauch’s keine Karte) und auf einem Campingplatz, der für uns ne Dusche und gastliche Stätte für Kaltgetränke geöffnet hat. Sonst waren sie am umbauen und modernisieren. Sonst steht das „überallcampen“ ja in Norwegen auch im Gesetz. Das darf und soll man da 🙂
    Lieben Gruß – Jens

  2. Hey Mario,
    danke für deinen Kommentar. Ich leite die Frage gern an Jens weiter. Ich selbst habe bislang nur Erfahrung ohne Dachzelt mit Standheizung bei Minus-Temperaturen – das war gar kein Problem. Aber mit Dachzelt stelle ich es mir auch frisch vor 😉 Zur Camping Key: Ja, die Erfahrung habe ich in Schweden und Dänemark auch immer gemacht. Zum Anfang der Saison musste ich immer eine grüne Camping-Karte kaufen (ca. 15 Euro), die ist dann in ganz Skandinavien ein Jahr lang gültig. Ich habe sie immer direkt auf dem ersten Campingplatz gekauft, der danach gefragt hat. In Südeuropa wollte noch niemand die grüne Karte sehen. Ist also glaube ich wirklich so ein Nord-Ding.

  3. Hallo Hauke,
    toller Gastbeitrag und spannender Bericht. Interessieren würde mich doch, ob das wirklich „aushaltbar“ oder gar angenehm im Bulli war. Bei den eisigen Temperaturen muss es doch durch das Dachzelt ziehen ohne Ende… Aber bei der Gelegenheit: ich hatte zuletzt gerade gelesen, man bräuchte für Norwegen und Skandinavien eine Camping Key Europe um sich auf Campingplätzen auszuweisen. Können die Autoren zufällig hierzu etwas sagen? Oder hat man nur frei gestanden?
    Vielen Dank und beste Grüße!
    Mario

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