Gastbeitrag: Boombaskischer Surftrip

Gastbeitrag: Boombaskischer Surftrip

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Surfen in Europa? Mit dem Auto ans Ziel kommen, obwohl man in Norddeutschland wohnt? Der ein oder andere mag da sicher an Dänemark denken oder die heimischen Gefilde, Timmendorfer Strand oder Damp. Aber… Nee… das kann ich auch nach der Arbeit mit meinem Opel Corsa machen. Auf nach Frankreich!

Etwa 1.600 Kilometer liegen vor uns und unserem Mercedes Sprinter. Ziele: Pyla, Mimizan, Moliets, Hossegor/Capbreton, Biarritz, Bidart und Hendaye. Einige der Orte hat Hauke ja schon einmal besucht und darüber geschrieben – hier gibt es jetzt Ergänzungen, Erweiterungen, Neuerungen und vor allem Tipps für Surfer.

ANFAHRT

Nach stundenlanger Vorbereitung und etwas stressigem Packen des Autos (das so ein Stand Up Paddle Board auch so groß sein muss…) geht es nachts um 2 Uhr los. Mit vollgeladenem Sprinter fahren wir in Richtung Süden und teilen uns die Fahrt in vier Etappen – für jeden zwei – ein. 20 Stunden später erreichen wir den Vier-Sterne-Camping-Platz „Panorama du Pyla“.

PYLA

Der Campingplatz liegt direkt neben der großen Wanderdüne in Pyla und bietet etliche Stellplätze unter einem dichten Pinienwald. Ein Großteil der Plätze ist terrassenförmig angelegt, so dass man auf den Atlantik und das Bassin d´Archachon schielen kann. Sanitäreinrichtungen sind ausreichend vorhanden, kostenlos und werden in der Nebensaison wenigstens einmal am Tag gereinigt. Ehrlich gesagt, sind sie aber eher einfach. Essen gibt es im Camping-Platz eigenen Supermarkt zu kaufen, in mehreren kleinen Bistros und dem Panorama-Restaurant. Das Essen in letzterem soll hervorragend sein, aber sauteuer. Am Ankunftsabend gönnten wir uns da zwei Bier und wären beim Bezahlen fast vom Schlag getroffen worden: zwei Halbe für 14 Euro!!! Schnell ins Bett.

Vom Camping-Platz führt ein Weg direkt in die riesige Dune du Pyla und von dort an einen eher schmalen Strand. Für Paraglider übrigens wohl so etwas wie ein Pflichtbesuch (siehe Bilder).

MIMIZAN

Von Pyla geht’s, noch ohne Surfen gewesen zu sein, nach Biscarosse. Der Ort bietet in der Nebensaison zwar alles was das Surferherz braucht, kickt uns aber nicht – irgendwie ist alles etwas schmuddelig. Also weiter nach Mimizan, ab zum „Airotel Camping Club Marina“. Hier erwartet uns ein riesiger Platz, mit kleinen netten Stellplätzen. Die sind weitgehend unter Pinien verteilt. Die Sanitärhäuser sind sauber und gepflegt. Mit Schwimmbad, Spielplatz, Supermarkt und Co. ist alles Notwendige und Unnötige auf dem Platz vorhanden. In der Hauptsaison muss es zugehen wie im Ameisenhaufen, jetzt im September ist es ruhig und gemütlich. Gegrillt wird abends am Public BBQ-Point, nahe des Stellplatzes, denn Holzkohle-Grills sind ansonsten strengstens verboten – Achtung Waldbrand-Gefahr! Bis zum Strand sind es etwa fünf Minuten Fußweg – ist uns trotzdem irgendwie zu weit.

Nach dem ersten Besuch am Strand ist klar, mit Campervan geht es einfacher und günstiger. Direkt am Südstrand des Ortes, liegt eine „Aire du Camping“ – ein besserer Parkplatz für Wohnmobile. Ausgestattet ist die „Aire du Camping“ mit selbstreinigender Toilette, Dusche (inklusive, Abfluss in die Kanalisation = Duschen mit Seife erlaubt) und liegt direkt auf der Rückseite der Stranddüne, bietet aber leider wenig Schatten. Da die französischen Ferien zu Ende sind, gibt es ausreichend Platz und die Nacht kostet gerade einmal 14,50 Euro pro Nacht. Tipp: auf der Düne bei den Rettungsschwimmern gibt es noch mehr Klos – und wir haben noch nie so saubere öffentliche Toiletten gesehen.

SURFEN IN MIMIZAN

…geht ausgezeichnet. Egal ob Anfänger, Intermediate, oder Profi, für jeden ist etwas dabei. Natürlich tidenabhängig, und immer eine Frage des ankommenden Swells. Aber wir sahnen mit Minimalibu bewaffnet einige nette schulterhohe Wellen ab, während zahlreiche Anfänger das Weißwasser vor der Sandbank surfen. Auch mit SUP bekomme ich einige Wellen. Morgens zur Ebbe, schnappen sich die Locals etliche kopf-und doppelt-kopfhohe Klopper. Aufpassen muss man allerdings auf die Badezonen, die streng von den Rettungsschwimmern bewacht werden. Surft man da, gibt es ordentlich Anschiss – umgekehrt, badet man außerhalb der Zonen, gibt es ebenfalls Ärger – bei der Kraft, die der Atlantik in dieser Jahreszeit entwickeln kann, ist das aber auch in Ordnung.

MOLIETS

In Moliets verschlägt es uns auf den Campingplatz „Le Saint Martin“. Der beherbergt auch ein Surfcamp, das wir aber akustisch nur zur Abschlussparty mitbekommen haben. Der Platz ist groß, bietet verschiedene Formen von Stellplätzen, einen Abschleppservice, für alle die dicht am Strand auf weichem Boden schlafen wollen und sich beim Abreisen festfahren und auch sonst alles was das Surf-Camperherz begehrt. Vom Platz geht es direkt an den endlos weiten Strand und nen Aussichtsturm, um die Wellen zu checken, gibt es auch.

Vor der Rezeption startet das Shopping- und Nachtleben des Ortes. Restaurants und Bars im Ort bieten hauptsächlich Burger, und Pizzen, ABER inmitten all der 0-8-15-Läden gibt es ein kleines unscheinbares Restaurant, das selbstgemachte Quiches, Tartes und allerlei französische Leckereien anbietet – das alles für super faire Preise und bei super Stimmung… einfach mal ein bisschen an der Hauptstrasse nahe der Parkplätze suchen.

SURFEN IN MOLIETS

Die Strände sind weltbekannt und bieten Platz für Wellenreiter, Body-Boarder, Kite-Surfer und Windsurfer. Die Wellen haben viel Kraft und brechen über mehreren Sandbänken. Das bietet wie auch in Mimizan viel Platz zum Ausweichen und die Surfschulen bleiben eh meist im Shorebreak, also dem Weißwasser in Strandnähe, hängen. Für alle anderen gibt es oft kopfhohe Wellen, die mal mit mehr mal mit weniger Kraft brechen, und jede Menge Strömung. Wer noch nicht all zu viel Paddel-Power hat, hier bekommt er sie. Und wer eher Windsurfen, oder Kiten im Flachwasser will, kann das in einem kleinen Bassin mitten auf dem Strand machen. Der Teich mit Meereszugang füllt sich bei Flut und ist dann brusttief, bei Ebbe wird er winzig und maximal noch knietief.

Wer sich in Frankreich mit Surfbrettern, oder anderen Dingen, wie Klamotten der großen Surfindustrie versorgen will, ist hier übrigens auch goldrichtig. Gerade in der Nachsaison gibt es Rabatte. Einige Surfschulen verkaufen außerdem einen Teil ihrer Bretter (wer also auch gebrauchtes Material surfen mag, wird in Mimizan und Moliets ein paar Schnäppchen schlagen können).

CABRETON UND HOSSEGOR

Auf ins europäische Festland-Hawaii. Capbreton und Hossegor sind die Spots in Europa, die die Herzen tausender Surfer höher schlagen lassen. La Graviere, La Nord, La Sud, Le Prevent, La Pointe… Nicht umsonst kommt im Oktober die Formel 1 des Wellenreitens hier vorbei um den „Quick Pro France“ zu surfen.

Was Campen angeht, gibt es nur einen Platz in Strandnähe, den „CCAS“. Der ist ganz im Süden von Capbreton gelegen und bietet etwas nostalgischen Charme. Alles ist super sauber, aber es ist auch alles etwas älter. Unser größtes Problem ist die Auswahl des Stellplatzes. Denn der Campingplatz ist fast komplett leer. Nach unserer Ankunft dürfen wir uns umschauen, uns einen Platz aussuchen und sollen dann den Papierkram machen – easy. Denkste! Campervans dürfen offiziell auch wenn der ganze Platz leer ist nur auf wenigen dafür vorgesehenen und betonierten Plätzen abgestellt werden. Etwa drei davon liegen im Schatten, alle anderen in der Sonne und die knallt uns mit etwa 30 Grad auf den Kopf. Danke, aber nein danke – hier bleiben wir eine Nacht und dann geht’s woanders hin.

Letztlich geht es etwa 100 Meter nach Norden auf die „Aire du Camping l´Ocean“. Wie in Mimizan ist das ein großer Parkplatz direkt an der Düne. In diesem Fall zwar ohne Dusche, dafür kostet die Nacht pro Wagen auch nur noch 11,50 Euro und morgens kommt sogar ein Bäcker vorbei. Der hupt gegen 8.30 Uhr den Platz wach und verkauft dann köstliches Baguette, frische Croissants und sogar eine Art Vollkorn-Fitness-Brot.

Capbreton ist eigentlich eine ziemlich nette und dem äußeren Anschein nach recht wohlhabende Hafenstadt, inklusive riesigem Jachthafen. Hossegor ist nicht weniger hübsch und wohlhabend. Dort haben fast alle Surf-Marken ihre Europa-Hauptquartiere, Lagerverkauf und Flagship-Stores. Außerdem gibt es unzählige Restaurants, Cafés und Bars.

SURFEN IN CABRETON UND HOSSEGOR

Wir surfen in der Nähe von „La Pointe“. Dort ist für Anfänger nicht viel zu holen. Zwar kommen auch Surfschulen rum, viel im Wasser sind die aber nicht. Wir haben jeden Tag Wellen, die sich auf bis zu 2,5 Meter auftürmen und mit viel Wucht bis an den bewachten Strand laufen. Zu jeder Tidenzeit funktioniert eine der Sandbänke und im Notfall zieht es viele mit Bodybord in den riesigen Shorebreak. Nahe des Hafens der Stadt liegt „Le Prevent“. Etwas von Felsen und Molen geschützt, bleibt der Swell da überschaubarer und lockt vor allem Retro-Surfer auf Longboards und Twin-Fin-Fishen an.

In Hossegor warten mit die größten Wellen, die ich je gesehen hab. La Sud bricht an einem Abend etwa 3 Meter hoch auf den Strand – ein großer Spaß für viele Bodyboarder. La Nord zeigt sich einem Morgen ebenfalls von der ganz großen Seite: 3-6 Meter, teilweise hunderte Meter vom Strand entfernt brechend. Mir zu groß, für viele Locals aber ein perfekter Tag. Im Oktober kommt hier jedes Jahr die „World Surfing League“ vorbei. Die Besten der Welt sind dann im Wasser und abends gibt es etliche Partys.

BIARRITZ, BIDART UND HENDAYE

Vom Surferparadies zieht es uns zum nächsten Hotspot der französischen Surfszene – nach Biarritz. Ende der 60er, Anfang der 70 sollen dort die ersten französischen Surfer überhaupt auf die Bretter gestiegen sein.

Wir richten uns auf dem Campingplatz „Le Pavillon Royal“ ein. Mit mehr als 30,00 Euro pro Nacht, und das in der Nachsaison, ist es der mit Abstand teuerste Platz den wir besuchen. Die Stellplätze reichen vom Pinienwald, über leicht bewachsene Flächen bis zur recht ungeschützten Steilküste. Von da geht es direkt an den von Felsen eingerahmten Strand. Außerdem gibt es ein traumhaftes Panorama auf die baskische Felsküste auf spanischer Seite. Für alle die mit dem Navi nach dem Platz suchen: Offiziell liegt der Platz bereits in Bidart und die Einfahrt kommt recht plötzlich, zwischen kleinen Mäuerchen versteckt – wir mussten fast zwei Ehrenrunden drehen.

Wer günstiger schlafen will kann in Biarritz auch nach der „Aire du Camping“ Ausschau halten. Die liegt an einer Hauptstrasse, nahe des „Plage du Milady“. Biarritz selbst ist die größte Stadt auf unserer Tour und wir beschränken uns auf einen Marktbesuch, einen Bummel durch das City-Center, ein Essen bei Bali-Bowls (super lecker) und einen Strandbesuch. Die Strassen in der Innenstadt und zu den Stränden sind unfassbar eng. Mehrfach sehe ich vorm inneren Auge Seitenspiegel wegfliegen, passiert ist uns aber nichts. Parken ist schwierig in der Stadt. Erstens geht das so gut wie nirgendwo kostenlos und wer ein Auto mit mehr als 1 Meter 90 Höhe hat wird von etlichen Höhenbegrenzungen ausgebremst.

Die gibt es in Bidart leider auch – und zwar vor allem in Strandnähe. Bidart, stellt den kulinarischen Höhepunkt unserer Reise da. Nahe des Marktplatzes gibt es das „Venta Gaxuxa“. Dort werden traditionelle baskische Speisen gekocht und zwar von bester Qualität. Wir sitzen trotz lauem Abend im Laden, denn die Terrasse ist ausgebucht und vorreserviert. Für einen Tagestrip zieht es uns außerdem nach Hendaye und auf dem Rückweg nach Saint Jean de Luz. Beide Orte kann man mal besuchen. Vor allem in letzterem lassen sich Strandbesuch und Stadtbummel perfekt miteinander verbinden.

SURFEN IN BIARRITZ, BIDART UND HENDAYE

In allen drei Orten laufen schöne Wellen – gerade in Bidart auch in einsamen kleinen Buchten. Aufpassen sollte man aber auf Felsen im Wasser, die gibt es hier nämlich recht zahlreich. In Biarritz sind die Wellen besonders bei einsetzender Ebbe super. Dann wird es aber schnell voll. Zahlreiche Surfschulen schicken ihre Schüler ins Wasser. Im Sommer muss es die Hölle sein, im Herbst ist es immer noch anstrengend und ich wurde nicht nur einmal ordentlich gewaschen, weil ich irgendwem ausweichen musste. In Hendaye ist alles etwas kleiner, etwas gemächlicher, etwas entspannter. Dafür laufen die Wellen nicht so lang und werden bei weitem nicht so groß.

FAZIT

Südfrankreich steht ab sofort ganz oben auf unserer Tourenliste. Tolles Wetter, nette Menschen, schöne Campingplätze und nicht zuletzt klasse Wellen. Wer danach sucht, sollte die lange Fahrt auf sich nehmen. Notfalls kann man die Tour ja auch aufteilen. Wir haben etwa auf dem Rückweg ein paar Tage am Ijsselmeer campiert und nochmal die Seele baumeln lassen. Richtig günstig ist Frankreich nicht – auch weil die Maut bei An- und Abfahrt mitgerechnet werden muss. Für uns waren das etwa 120,00 Euro je Tour. Einen Besuch ist die Region aber auf jeden Fall wert und wer mehr Zeit hat, kann ja auch nach Spanien, oder Portugal weiterfahren. Wir planen jedenfalls schon für 2017 einen zweiten Besuch.

ÜBER DEN AUTOR

Dennis Schwalm ist nordish by nature. Aufgewachsen in Norderstedt bei Hamburg wohnt er inzwischen in Kiel und ein bisschen auch in Lübeck. Das Wind-Surfen hat er in Pelzerhaken an der Ostsee gelernt, am Camping-Stellplatz seiner Eltern. Das Wellenreiten hat Dennis bei einem Auslandsjahr in Neuseeland gepackt. Genauso wie die Leidenschaft mit dem Van durch die Gegend zu reisen. Beruflich ist Dennis Nachrichtenredakteur bei der Regiocast Radioservices in Kiel. Von dort aus beliefert er mit seinen Kollegen private Radiostation in ganz Deutschland und deutschsprachige Sender im Ausland mit Nachrichten.

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